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Fachsprache: Sch­lech­ter­dings Juris­ten­deutsch

"Schlechterdings nicht nachvollziehbar" … so etwas empfinden manche als schnöselige Fachsprache, wenngleich das Problem menschenfeindlicher Juristentexte uralt sei.

Jura-Ausdrücke wie "schlechterdings", "vorstehend", "konstatieren" und "Der Unterzeichnete" werden von Juristen gerne benutzt. Das Kennzeichen von Juristendeutsch sei aber nicht, dass ein Jurist solche Dinge sagt wie "culpa in contrahendo" oder "Kompetenz-Kompetenz" - sondern z.B. "schlechterdings" und "konstatieren". Es gehe offenbar nicht ohne Fachsprache. Hinter hochgestochener Sprache stecke eine Geisteshaltung, wird vermutet.

Altertümliche Ausdrücke lassen Menschen nicht unbedingt intelligent erscheinen, im 8 inGegenteil: Klug wirke, wer sich einfach auszudrücken weiß, dafür gebe es wissenschaftliche Belege.

Hinter einer hochgestochenen Sprache stecke vielmehr eine gewisse Geisteshaltung. Das zeige sich auch an Kleinteilen von Texten: Anführungsstriche verwenden Juristen oft wie Pinzetten, mit denen sie Ausdrücke des einfachen Volks in ihre edlen Texte heben, obwohl es "gar nichts" zu "distanzieren" gebe. Floskeln wie "Hiermit teile ich Ihnen mit" tragen gleichfalls nichts zur Erhellung des Lesers bei, klingen aber so schön autoritär.

Die unnötige Ausprägung von Juristendeutsch wolle verführen, nicht verschrecken. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit verschone auch Juristen nicht. Juristen schmücken ihre Beiträge gerne verführerisch mit historischen Herleitungen, Aktenzeichen. Manchmal will jemand mit kompliziertem Deutsch schlichte Gedanken bemänteln, z.B. "Dem entspricht es, dass ebenso wenig gesagt werden kann, eine Erklärung, deren Nicht-Ernstlichkeit objektiv nicht zu erkennen war, könne der Nichtigkeitssanktion des § 118 nicht unterliegen." Kürzt man die Verneinungen heraus, bleibt stehen: "Nichtig sein kann gemäß § 118 BGB auch eine objektiv ernstzunehmende Scherzerklärung."

Das Problem menschenfeindlicher Juristentexte ist uralt. Der österreichische Verfassungsjurist Theo Öhlinger bezeichnete das Verhältnis von Recht und Sprache als "Zwangsehe", das Problem sei bis in die Antike rückverfolgbar. Juristendeutsch sei also überwiegend Einstellungssache. Das gelte auch für Behörden, die aus Autoritätsgehabe noch "Augengläser", "Lichtbild" und "Ablichtung" statt "Brille", "Foto" und "Kopie" schreiben.

[ frei zitiert aus: „Fachsprache: Schlechterdings Juristendeutsch“ … https://www.lto.de ]

 


"Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige."  (Albert Schweitzer)